In den Materialwissenschaften bezeichnet der Begriff Punkt (engl. point) je nach Kontext eine idealisierte, dimensionslose Position im Raum, ein lokales Gitterobjekt oder ein diskretes Datenelement innerhalb eines Kontinuums- oder Partikelmodells.
Auf atomarer Skala steht der Punkt typischerweise für einen idealen Gitterplatz im Kristall. Hierauf basiert das Konzept der Punktdefekte (Leerstellen, Zwischengitteratome, Substitutionsatome), bei denen einzelne Gitterpunkte fehlbelegt oder unbesetzt sind. Die Zuordnung physikalischer Größen wie Besetzungswahrscheinlichkeit oder chemisches Potential zu Gitterpunkten ist grundlegend für Diffusions- und Phasentransformationsmodelle.
Im Rahmen der Kontinuumsmechanik wird ein Punkt als infinitesimales Volumenelement verstanden, dem Felder wie Spannung, Dehnung, Temperatur oder chemische Konzentration zugeordnet werden. Materialgesetze (z.B. konstitutive Gleichungen) beschreiben dann Beziehungen zwischen diesen Feldgrößen auf Ebene eines materiellen Punktes.
In numerischen Verfahren stehen Punkte für Knoten in Finite-Elemente-Netzen, Stützstellen in Finite-Differenzen- oder Spektralmethoden sowie Partikelzentren in diskreten Elementmethoden oder molekulardynamischen Simulationen. Die räumliche und zeitliche Diskretisierung über Punkte bestimmt Auflösung, Genauigkeit und Stabilität der Simulation.
Der Punktbegriff verbindet damit kristallographische, thermodynamische, mechanische und numerische Beschreibungen von Werkstoffen über gemeinsame, lokal definierte Größen.
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