Der Begriff Praxis (bzw. Praktiken) bezeichnet in den Ingenieur- und Naturwissenschaften die Gesamtheit der konkret ausgeführten Handlungen, Routinen und Verfahrensweisen, mit denen theoretisches und empirisches Wissen technisch umgesetzt wird. Im Kontext der Werkstofftechnik umfasst dies alle Schritte von der Probenpräparation über Prüf- und Messmethoden bis hin zu Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen.
Wissenschaftlich relevant ist die Unterscheidung zwischen bloßer Routine und bewährten Praktiken (best practices). Letztere sind systematisch validierte Vorgehensweisen, die hinsichtlich Reproduzierbarkeit, Genauigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit optimiert wurden. Beispiele sind standardisierte Wärmebehandlungszyklen, normgerechte Prüfpraktiken nach ISO/ASTM oder etablierte Protokolle zur mikrostrukturellen Charakterisierung.
Praktiken sind immer in einen Regel- und Normenkontext eingebettet, etwa durch Qualitätsmanagementsysteme (z.B. ISO 9001) oder branchenspezifische Leitlinien, ähnlich wie in der Weinbaupraxis anbauspezifische Verfahren normiert und optimiert werden. In der Werkstofftechnik bestimmen solche Praktiken maßgeblich die Vergleichbarkeit von Daten, die Übertragbarkeit von Forschungsergebnissen in die industrielle Anwendung und die Robustheit von Bauteileigenschaften.
Forschungsseitig ist die kontinuierliche Kritik und Weiterentwicklung der Praxis zentral: Neue Erkenntnisse zu Degradationsmechanismen, Skalierungseffekten oder Nachhaltigkeitsanforderungen führen zur Anpassung etablierter Praktiken und zur Formulierung neuer Leitlinien, um Werkstoffe sicherer, effizienter und ressourcenschonender einzusetzen.
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