Prävention bezeichnet in der Werkstoff- und Implantattechnik alle systematischen Maßnahmen, die darauf abzielen, das Auftreten schädigender Ereignisse – etwa Rissbildung, Korrosion oder periimplantäre Infektionen – bereits im Vorfeld zu vermeiden. Im Gegensatz zu rein reaktiven Strategien steht bei der Prävention die vorausschauende Gestaltung von Werkstoffen, Strukturen und Betriebsbedingungen im Vordergrund.
Ein zentrales Feld ist die Rissverhinderung. Hierzu gehören angepasste Legierungskonzepte, kontrollierte Wärmebehandlungen zur Einstellung günstiger Gefügezustände, gezielte Spannungsreduzierung (z.B. durch Shot Peening oder optimierte Geometrien) sowie die Vermeidung kritischer Umgebungsmedien und Lastkollektive. Ziel ist die Minimierung der Anrisswahrscheinlichkeit und der Verlangsamung von Ermüdungsprozessen auf mikrostruktureller Ebene.
Im Bereich der Periimplantitis-Prävention umfasst Prävention insbesondere material- und oberflächenbezogene Strategien: bioinert oder bioaktiv ausgelegte Legierungen und Keramiken, antimikrobiell wirksame oder plaque-resistente Oberflächenmodifikationen, geeignete Rauheits- und Benetzbarkeitsprofile sowie korrosionsbeständige Passivschichten zur Reduktion ionischer Freisetzung. Ergänzend wirken design- und prozessuale Maßnahmen (z.B. spaltarme Verbindungen, sterilisationstolerante Beschichtungen) präventiv.
Prävention ist somit ein interdisziplinäres Konzept, das Werkstoffauswahl, Mikrostrukturdesign, Oberflächenengineering, Bauteilgeometrie, Belastungskollektive und umgebungsbedingte Einflüsse integriert. Ihr Erfolg wird durch quantifizierbare Kenngrößen wie verlängerte Lebensdauer, reduzierte Versagenswahrscheinlichkeit und geringere Komplikationsraten bei Implantaten bewertet.
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