Druckbarkeit bezeichnet in der additiven Fertigung die Eignung eines Werkstoffs, eines Pulvers oder einer Prozessparameterkombination, reproduzierbar Bauteile definierter Geometrie und Eigenschaften herzustellen. Sie ist ein systemischer Begriff, der Materialeigenschaften, Prozessführung und Bauteilgestaltung koppelt.
Für polymerbasierte Verfahren (z. B. FFF, SLA) umfasst Druckbarkeit u. a. Schmelz- bzw. Glasübergangstemperatur, Viskositätsverlauf, Benetzungs- und Aushärtungsverhalten sowie Schrumpf- und Verzugstendenzen. Bei metallischen und keramischen Pulvern (z. B. Laser Powder Bed Fusion, Binder Jetting) stehen Kornmorphologie, Korngrößenverteilung, Fließverhalten, Packungsdichte und Absorptionsverhalten der Strahlungsquelle im Vordergrund.
Ein zentrales Merkmal guter Druckbarkeit ist ein stabiler Prozessfensterbereich, in dem Defekte wie Lack-of-Fusion, Heißrisse, Porosität oder Delamination minimiert werden. Zudem spielt die geometrische Druckbarkeit eine Rolle: Überhänge, dünnwandige Strukturen oder hohe Aspektverhältnisse erfordern spezifische Material- und Prozessfenster, um Maßhaltigkeit und Oberflächengüte sicherzustellen.
Druckbarkeit wird experimentell durch Verfahrensstudien (Process Maps, Parameter-Sweeps), in-situ-Überwachung (Melt-Pool-Analyse, Optik, Akustik) sowie durch numerische Simulation von Wärme- und Spannungsfeldern bewertet. Die gezielte Anpassung von Legierungszusammensetzung, Additiven (z. B. Rheologiemodifikatoren in Tinten) und Pulveraufbereitung ist ein wesentlicher Hebel zur Optimierung der Druckbarkeit und zur Überführung konventioneller Werkstoffe in additive Fertigungsverfahren.
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