Unter Qualifikation bzw. Qualifikationen wird im technischen Kontext ein systematischer Nachweis verstanden, dass ein Werkstoff, ein Bauteil, ein Fertigungsprozess oder ein gesamtes System definierte Anforderungen unter spezifizierten Einsatzbedingungen erfüllt. Im Unterschied zur reinen Prüfung, die Messergebnisse liefert, umfasst die Qualifikation die Ableitung von Eignungsaussagen und Freigaben auf Basis normativer oder kundenspezifischer Kriterien.
In der Werkstofftechnik reichen Qualifikationen von der Materialqualifizierung (z. B. für Sour-Service-Anwendungen mit H₂S-Exposition) über die Prozess- oder Tool-Qualifizierung (z. B. additive Fertigung, Schweißprozesse, Pulverqualifizierung) bis zur Bauteil- bzw. Rohrleitungsqualifikation unter realitätsnahen mechanischen, thermischen und chemischen Lastkollektiven. Für Batterien umfasst die Qualifikation typischerweise Zyklenfestigkeit, Sicherheit, Alterungsverhalten und Missbrauchstests.
Qualifikationsprogramme definieren Prüfpläne, Stichprobengrößen, Grenzwerte und statistische Auswerteverfahren. Ergebnisse werden in Qualifikationsdokumenten festgehalten, die Rückverfolgbarkeit, Gültigkeitsbereich (z. B. Legierungsbereich, Prozessfenster) und Einschränkungen beschreiben. Streng abgegrenzte Qualifikationsprofile stellen sicher, dass übertragene Freigaben (z. B. auf andere Chargen, Geometrien oder Prozessparameter) wissenschaftlich und regulatorisch abgesichert sind. Qualifikation ist damit eine Schlüsselkomponente der technischen Zuverlässigkeit und regulatorischen Konformität in sicherheits- und qualitätskritischen Anwendungen.
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