Radiographie bezeichnet die bildgebende Darstellung der inneren Struktur eines Werkstoffs mittels durchdringender Strahlung, typischerweise Röntgen- oder Neutronenstrahlung. In der Werkstofftechnik dient sie primär der zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) von Bauteilen auf Volumenfehler wie Poren, Lunker, Risse, Einschlüsse oder Bindefehler.
Die klassische Röntgenradiographie nutzt polychromatische Röntgenstrahlung, deren Abschwächung durch das Material über das Lambert-Beer’sche Gesetz beschrieben wird. Dichte- und Dickenunterschiede sowie Phasen- und Legierungsvariationen führen zu Kontrast im Radiogramm. Mikroradiografie verwendet hochauflösende Optiken und Detektoren, um Mikrostrukturen im μm-Bereich abzubilden.
Digitale Radiographie ersetzt Film durch elektronische Detektoren (z.B. Flachdetektoren, Speicherfolien). Vorteile sind ein erweiterter Dynamikbereich, Bildnachverarbeitung (Filterung, Kontrastanhebung) und vereinfachte Archivierung. Digitale Durchstrahlungsprüfung umfasst sowohl Einzelaufnahmen als auch sequentielle Bildfolgen.
Hochgeschwindigkeits- und dynamische Radiographie erlauben die zeitaufgelöste Beobachtung schneller Vorgänge, etwa Rissausbreitung, Umformprozesse oder Schockbelastungen. Hierzu werden gepulste Strahlungsquellen mit kurzen Belichtungszeiten eingesetzt.
Neutronenradiographie, insbesondere Bragg-Kanten-Neutronenradiographie, ergänzt die Röntgentechnik: Sie ist empfindlich für leichte Elemente (z.B. Wasserstoff), erlaubt Kontrastierung von Phasen mit ähnlicher Ordnungszahl und kann Spannungs- oder Texturinformationen über wellenlängenabhängige Beugungseffekte liefern.
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