Der Begriff Recovery (Rückgewinnung/Wiederherstellung) besitzt in der Werkstofftechnik zwei zentrale Bedeutungen: (1) die metallurgische Rückgewinnung von Wert- und Edelmetallen aus Primär- und Sekundärquellen und (2) die mikrostrukturelle Recovery verformter Werkstoffe, d. h. die Wiederherstellung von Eigenschaften durch Wärmebehandlung.
In der metallurgischen Prozesskette beschreibt Recovery den Ausbeutegrad (recovery rate) eines Elements wie Ni, Cu, Ta, Li oder Ge bei der Erzaufbereitung, Hydrometallurgie oder Wiederaufbereitung von Recyclingströmen. Typische Verfahren sind die elektrochemische Rückgewinnung (Elektrolyse, Elektrogewinnung, Elektrodeposition), Fällung, Lösungsmittel-Extraktion und Ionenaustausch. Für kritische Rohstoffe wie Tantal, Lithium oder Germanium ist eine hohe Recovery entscheidend für Ressourceneffizienz, Wirtschaftlichkeit und ökologische Bilanz. Prozessoptimierung zielt auf maximale Selektivität, Minimierung von Verlusten in Schlacken, Tailings oder Prozesswässern und stabile Qualität der zurückgewonnenen Metalle.
In der physikalischen Metallkunde bezeichnet Recovery die spannungsabbauende Umordnung von Versetzungen unterhalb der Rekristallisationstemperatur. Durch Versetzungsanordnung, Annihilation und polygonisation kommt es zur Wiederherstellung mechanischer Eigenschaften, z. B. Verminderung von Eigenspannungen und Erholung der Duktilität, bei gleichzeitig noch erhöhter Festigkeit gegenüber dem geglühten Ausgangszustand. Recovery ist damit eine zentrale Stufe der thermischen Nachbehandlung kaltverformter Bänder und Drähte („Bandrückgewinnung“), oft gefolgt von Rekristallisation und Kornwachstum.
In beiden Bedeutungen ist Recovery ein Schlüsselkonzept für Ressourceneffizienz und Eigenschaftsengineering moderner Werkstoffsysteme.
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