Reflektivität bezeichnet den Anteil der einfallenden elektromagnetischen Strahlung, der an einer Grenzfläche oder in einer Kavität reflektiert wird. Sie ist eine dimensionslose Größe (0–1) und kann als spektrale, winkelabhängige oder integrierte Reflektivität definiert werden. In der Praxis wird häufig zwischen Fresnel-Reflektivität einer ideal glatten Grenzfläche und der effektiven Reflektivität realer, rauer und ggf. beschichteter Oberflächen unterschieden.
Für planare Grenzflächen zwischen homogenen Medien folgt die Reflektivität aus den Fresnel-Gleichungen und wird durch komplexe Brechungsindizes, Polarisation, Einfallswinkel und Wellenlänge bestimmt. In der Röntgenoptik und Neutronenoptik spielt die starke Winkelabhängigkeit (kritischer Winkel für Totalreflexion) eine zentrale Rolle. In der Optik technischer Beschichtungen (z. B. Spiegel, Antireflex- und Interferenzschichten) wird die Reflektivität durch Mehrschichtdesigns gezielt spektral und angular eingestellt.
In der Materialwissenschaft ist die Reflektivität sowohl Kenngröße als auch Messprinzip: Verfahren wie X‑ray Reflectivity (XRR) oder Neutronenreflektivität erlauben die präzise Bestimmung von Schichtdicken, Dichteprofilen und Rauigkeiten im Nanometerbereich. Dabei wird aus der winkel‑ oder energieabhängigen Reflektivität auf die laterale gemittelte Tiefenstruktur geschlossen.
Der verwandte Begriff der Kavitätsreflektivität beschreibt die effektive Reflektivität einer optischen Resonatorkavität (z. B. Fabry‑Pérot), die sich aus den Spiegelreflektivitäten, Verlusten im Medium und Streuung an Grenzflächen ergibt. Hohe Kavitätsreflektivitäten sind essenziell für Laserresonatoren, hochwertige Resonatoren in der Quantentechnologie und präzise Metrologie. Insgesamt ist die Kontrolle der Reflektivität ein Schlüsselaspekt im Design photonischer und optoelektronischer Bauelemente.
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