Der Begriff Regime bezeichnet in der Werkstofftechnik einen klar abgegrenzten Bereich des physikalischen Verhaltens, in dem ein dominierender Mechanismus oder eine konsistente Menge von Mechanismen gilt. Regime werden typischerweise durch Kenngrößen wie Temperatur, Dehnungsgeschwindigkeit, Spannungsniveau, Korrosivitätsgrad oder dimensionslose Kennzahlen (z. B. Reynolds-, Péclet- oder Deborah-Zahl) definiert.
Beispiele sind das elastische, elasto-plastische und viskoplastische Regime in Spannungs-Dehnungs-Diagrammen, das Kriechregime (diffusions‑ vs. versetzungsdominiert), verschiedene Risswachstumsregime (z. B. Paris-Regime bei stabiler Ermüdungsrissausbreitung) oder Leitfähigkeitsregime in Ionenleitern und Halbleitern. In jedem Regime sind spezifische Konstitutivgesetze, Skalenannahmen und Vereinfachungen zulässig, während ein Regimewechsel oft einen Wechsel des dominierenden Mechanismus markiert.
Die präzise Identifikation von Regimes ist zentral für Modellierung und Lebensdauervorhersage: Nur innerhalb eines wohldefinierten Regimes sind Materialkenndaten übertragbar und skalierbar. Übergangsbereiche zwischen Regimes sind häufig mit erhöhter Unsicherheit, nichtlinearem Verhalten und konkurrierenden Mechanismen verbunden, was erweiterte experimentelle und numerische Analysen erfordert.
Konzeptionell eng verwandt sind Maps bzw. Zustandsdiagramme, in denen verschiedene Regimes (z. B. Deformations- oder Korrosionsregime) kartiert und durch kritische Grenzlinien separiert werden. Regimeanalyse ermöglicht so eine systematische Strukturierung komplexer Materialreaktionen in technologisch relevante Anwendungsfenster.
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