Salze sind ionische Verbindungen, die aus Kationen und Anionen in einem elektrisch neutralen Verhältnis bestehen. In der Werkstofftechnik werden sie nicht nur als einfache kristalline Feststoffe betrachtet, sondern als eigenständige Werkstoffklasse mit spezifisch einstellbaren thermischen, chemischen und elektrochemischen Eigenschaften.
Strukturell bilden Salze im Festkörper meist periodische Ionengitter (z. B. NaCl‑Typ, Fluorit‑Struktur). Wichtige Kenngrößen sind Gitterenergie, Schmelzpunkt, elektrische Leitfähigkeit (in Festphase und Schmelze), thermische Stabilität und Korrosionsverhalten. Der Übergang zur Salzschmelze führt zu hochionischen Flüssigkeiten mit oft hoher elektrischer Leitfähigkeit und guter Wärmeleitfähigkeit.
In Hochtemperaturanwendungen werden Salzgemische, häufig als eutektische Salze, eingesetzt, um den Schmelzpunkt gezielt zu senken und Viskosität sowie Wärmekapazität zu optimieren. Beispiele sind nitrathaltige Leitsalze (z. B. HITEC‑Salz) für thermische Energiespeicher und als Wärmeträger in konzentrierender Solarthermie. Geschmolzene Salze finden zudem Einsatz als Elektrolyt in Hochtemperaturbatterien und Metallgewinnungsprozessen.
Anorganische Salze dominieren technische Anwendungen; hierzu zählen auch Lithiumsalze, die aufgrund ihrer kleinen, beweglichen Li⁺‑Ionen in elektrochemischen Systemen (z. B. Batterien) von zentraler Bedeutung sind. Synthetischer Steinsalz dient als Modellwerkstoff für geomechanische Untersuchungen. Ternäre und höherkomponentige Salzsysteme erlauben eine fein abgestimmte Anpassung von Schmelzbereich, Korrosivität und Kompatibilität mit Strukturwerkstoffen.
Für die Werkstoffentwicklung sind Phasendiagramme, Korrosionsstudien und Langzeitstabilität von Salzen entscheidend, insbesondere in geschlossenen Kreisläufen bei hohen Temperaturen und oxidierenden oder reduzierenden Atmosphären.
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