Der Begriff Scala bzw. Scalas wird in der metallografischen Praxis uneinheitlich verwendet und ist kein genormter Fachbegriff. Typischerweise beschreibt er entweder (i) oxidische Zunderschichten (scale) auf metallischen Oberflächen oder (ii) eingeschlossene Bruch- bzw. Schnittflächenfragmente dieser Schichten oder anderer spröder Phasen in metallografischen Schliffen.
Im ersten Sinne bezeichnet Scala die bei Warmumformung oder Hochtemperaturbehandlung entstehenden Zunder- bzw. Oxidschichten auf Stählen und Nichteisenlegierungen. Diese Schichten bestehen häufig aus komplex geschichteten Eisenoxiden (z.B. FeO, Fe3O4, Fe2O3) und können durch Diffusion und Reaktion mit der Atmosphäre erhebliche Dicken erreichen. Für die Werkstofftechnik sind ihr Aufbau, ihre Haftfestigkeit und ihr Abplatzverhalten entscheidend, da sie Korrosionsbeständigkeit, Oberflächenqualität und nachfolgende Beschichtungsprozesse beeinflussen.
Im zweiten Sinne wird Scala gelegentlich für spröde, hart-brockige Einschlüsse verwendet, die beim Präparieren (Schleifen, Polieren, Trennen) in den Schliff gelangen. Solche Artefakte können zu Fehlinterpretationen der Gefügemorphologie, der Porosität oder der Einschlussverteilung führen. Eine saubere Unterscheidung zwischen echten, prozess- oder betriebsbedingten Einschlüssen und präparationsbedingten Scalas ist daher essenziell.
Wissenschaftlich präzise Kommunikation sollte diese Bedeutungsunschärfe berücksichtigen und möglichst auf klar definierte Termini wie Zunderschicht, Oxidschicht, Einschluss oder Präparationsartefakt zurückgreifen.
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