In der Werkstofftechnik bezeichnet Acquisition (Datenerfassung) den strukturierten Vorgang der Gewinnung, Digitalisierung und Speicherung von Messdaten aus Experimenten, Prüfständen und in‑situ‑Untersuchungen. Sie umfasst sowohl die Hardwareebene (Sensoren, Wandler, Elektronik) als auch die softwareseitige Steuerung, Synchronisation und Vorverarbeitung der Signale.
Kernaspekte sind die Wahl geeigneter Abtastraten, Auflösungen und Dynamikbereiche, um mechanische, thermische, elektrische oder mikrostrukturelle Phänomene ohne Informationsverlust zu erfassen. In der Mikroskopie, insbesondere in der (S)TEM‑Tomographie, spielt die automatisierte Tilt‑Serienakquisition eine zentrale Rolle, bei der Bilddaten über definierte Kippwinkel hinweg automatisiert aufgenommen, registriert und protokolliert werden.
Moderne Datenerfassungssysteme sind typischerweise in Echtzeit‑Datenerfassungsumgebungen eingebettet, die eine unmittelbare Rückkopplung zur Prozess‑ oder Versuchsteuerung erlauben (z.B. in in‑situ‑Heiz‑ oder Deformationsversuchen). Dabei gewinnt die Integration in Laborinformations‑ und Managementsysteme (LIMS) an Bedeutung, um Metadaten, Kalibrierinformationen und Traceability sicherzustellen.
Für reproduzierbare und vergleichbare werkstoffwissenschaftliche Ergebnisse ist eine klar definierte Acquisition‑Strategie essenziell: Sie umfasst Kalibrierprotokolle, Rauschmodelle, Trigger‑Konzepte, Synchronisation mehrerer Sensoren sowie standardisierte Datenformate, die eine nachfolgende Auswertung, Datenfusion und maschinelles Lernen auf belastbarer Datenbasis ermöglichen.
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