Ressourcenknappheit bezeichnet im Kontext der Werkstofftechnik die limitierte Verfügbarkeit von Rohstoffen, Energieträgern und verarbeitbaren Materialien in Relation zu technologischem Bedarf und Nachfrage. Sie ist kein absoluter, sondern ein ökonomisch‑technischer Begriff: Ein Stoff gilt als knapp, wenn seine Bereitstellung nur mit steigenden Kosten, Risiken oder Umwelteinwirkungen möglich ist.
Zentrale Triebkräfte der Knappheit sind geologisch begrenzte Vorkommen (z.B. kritische Metalle wie seltene Erden, Co, Nb), geopolitische Konzentration von Lagerstätten, energieintensive Gewinnungs- und Aufbereitungsprozesse sowie regulatorische und ökologische Restriktionen. Hinzu kommen technologische Engpässe, etwa begrenzte Substituierbarkeit eines Elements in Hochleistungslegierungen oder Funktionsmaterialien.
Für die Werkstoffwissenschaft ergeben sich daraus mehrere Konsequenzen: (i) Substitution seltener oder kritischer Elemente durch reichlich verfügbare Alternativen bei vergleichbarer Performance, (ii) Leichtbau und Funktionsintegration, um Materialeinsatz pro Funktionseinheit zu minimieren, (iii) Entwicklung von Werkstoffen für hohe Rezyklierbarkeit und geringe Degradationsverluste im Recyclingkreislauf, sowie (iv) Ressourceneffiziente Prozesstechnik mit reduziertem Ausschuss und Energieverbrauch.
Die Analyse von Knappheiten erfolgt zunehmend quantitativ, etwa über Kritikalitätsbewertungen, Stoffflussanalysen und Lebenszyklusanalysen. Scarcity ist damit zu einer treibenden Randbedingung für Werkstoffdesign, Prozessentwicklung und technologische Roadmaps geworden und beeinflusst strategische Entscheidungen in Forschung, Entwicklung und industrieller Anwendung.
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