In der Werkstofftechnik bezeichnet der Begriff Bad (engl. bath) allgemein ein flüssiges Medium, in das ein Werkstoff ganz oder teilweise eingetaucht wird, um gezielt chemische, elektrochemische oder thermische Wechselwirkungen zu erzeugen. Typische Beispiele sind Galvanikbäder, Salzschmelzbäder, Wärmebehandlungsbäder (z. B. Öl- oder Salzbadvergütung), Beizbäder und Reinigungsbäder.
Ein technisches Bad ist durch seine Zusammensetzung (Lösungsmittel, gelöste Salze, Additive), seine Temperatur, Strömungsverhältnisse und ggf. angelegte elektrische Felder charakterisiert. Diese Parameter steuern Transportprozesse (Diffusion, Konvektion), Reaktionskinetik und Phasenbildung an der Werkstoffoberfläche oder im Volumen. In elektrochemischen Bädern (z. B. Elektrolyt für Galvanisieren oder anodische Oxidation) sind Leitfähigkeit, pH-Wert, Komplexbildner und organische Zusätze entscheidend für Schichtmorphologie, Abscheiderate und Defektfreiheit.
Thermische Bäder dienen der definierten Aufheizung oder Abkühlung, häufig mit hohen Wärmeübergangskoeffizienten (Metallschmelzen, Salzbäder) zur Einstellung von Gefügen (Martensit, Bainit) und mechanischen Eigenschaften. Chemische Bäder wie Beizen oder Konversionsschichtenbäder erzeugen kontrollierte Materialabtragung oder schützende Oberflächenschichten.
Die Auslegung industrieller Bäder erfordert ein präzises Verständnis von Thermodynamik, Reaktionskinetik, Stofftransport und Korrosionsphänomenen. Prozessstabilität, Badalterung, Kontaminationskontrolle sowie Umwelt- und Arbeitssicherheitsaspekte (z. B. Cyanid-, Chrom(VI)-haltige Bäder) sind zentrale Themen bei Entwicklung und Betrieb solcher Badprozesse.
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