Formgebung (Shaping) bezeichnet in der Werkstofftechnik alle Prozesse, bei denen ein Werkstoff durch gezielte Einwirkung mechanischer, thermischer, chemischer oder strahlungsbasierter Energie in eine definierte Geometrie überführt wird. Klassische Verfahren sind Gießen, Umformen, Sintern und additive Fertigung. Zentrales Ziel ist die Kontrolle von Geometrie, Oberflächentopographie und Mikrostruktur, da diese direkt die mechanischen, tribologischen und funktionellen Eigenschaften bestimmen.
Mit hochfokussierten Energiequellen, insbesondere Lasern, hat sich der Begriff der Strahlformung (Beam Shaping) als spezielle Ausprägung der Formgebung etabliert. Hier wird nicht primär der Werkstoffstrang geformt, sondern die räumliche und zeitliche Intensitätsverteilung des einwirkenden Strahls. Durch geeignete Optiken oder modulierbare Elemente (z. B. räumliche Lichtmodulatoren) werden Top-Hat-, Ring- oder Bessel-Profile erzeugt.
Dynamische und adaptive Strahlformung erlauben die zeitaufgelöste Anpassung des Strahlprofils an Prozessbedingungen, etwa bei Schmelzbadinstabilitäten in der Laserauftragschweißung oder beim selektiven Laserschmelzen. Wellenfront-Formung adressiert zusätzlich die Phasenfront, um Aberrationen zu kompensieren oder Fokuslage und -form im Volumen zu steuern, was insbesondere für transparente Werkstoffe und ultrakurze Pulse relevant ist.
Insgesamt verschiebt sich der Formgebungsbegriff von rein geometrischer Makroform hin zur gezielten, oft strahlbasierten Gestaltung von Energieeintrag, Mikrostruktur und Funktionalität bis in den Submikrometerbereich.
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