Der Begriff Sites bezeichnet in der Werkstoffwissenschaft wohldefinierte, lokal begrenzte Positionen im Kristallgitter oder an Grenzflächen, an denen spezifische physikalische oder chemische Prozesse bevorzugt ablaufen. Dazu zählen Gitterplätze (Substitutions‑ und Zwischengitterplätze), Defektstellen (Leerstellen, Versetzungskerne) sowie Oberflächen‑ und Korngrenzplätze.
In kristallinen Festkörpern sind reguläre Gitterplätze energetisch definiert; Abweichungen hiervon bilden Defektsites. Solche Sites steuern maßgeblich Diffusion, Ausscheidungskinetik und Phasenumwandlungen. Beispielsweise erfolgt interstitielle Diffusion von C in Fe bevorzugt über oktaedrische Zwischengitter‑Sites.
An Oberflächen und Grenzflächen werden unter Sites meist adsorptive oder katalytisch aktive Zentren verstanden. Ihre Koordinationszahl, chemische Umgebung und elektronische Struktur bestimmen Adsorptionsenergien und Reaktivität. Unterschiedliche Kristallorientierungen ((111), (100) etc.), Stufenkanten und Kink‑Sites führen zu einer spektralen Verteilung von Bindungsstärken, die etwa in der Heterogenkatalyse und Korrosionswissenschaft entscheidend ist.
In der Defektphysik wird die Besetzung von Sites durch Fremdatome oder Ladungsträger thermodynamisch (Mass‑Action‑Gesetze, Defektchemie) und kinetisch (Sprungfrequenzen, Aktivierungsenergien) beschrieben. Moderne Charakterisierungsmethoden wie Atomsondentomographie, STEM und Oberflächenspektroskopie erlauben die direkte oder indirekte Identifikation und Quantifizierung solcher Sites, während DFT‑Rechnungen die zugehörigen Energielandschaften liefern.
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