Unter Spacing bzw. Spacings versteht man in der Werkstoffkunde charakteristische Längenabstände wiederkehrender mikrostruktureller Merkmale. Diese Abstände sind zentrale Skalenparameter, da sie mechanische, thermische, elektrische und diffusionsgesteuerte Eigenschaften maßgeblich beeinflussen.
Typische Beispiele sind der Lamellenabstand in perlitischen Stählen, der den Wechsel von Ferrit- und Zementitlamellen beschreibt, der sekundäre Dendritenarmabstand (SDAS) in Gusslegierungen als Maß für die lokale Erstarrungsgeschwindigkeit sowie der Interlayerabstand in Schichtverbunden oder der interlamellare Abstand in Faserverbund- und Laminatwerkstoffen. Auch die Kanaldicke in eutektischen oder zellulären Strukturen gehört zu dieser Familie von Spacings.
Spacings entstehen aus dem Zusammenspiel von thermodynamischen Triebkräften und kinetischen Prozessen (Wärme- und Stofftransport, Grenzflächenenergie, Wachstumsdynamik). Viele dieser Abstände skalieren empirisch oder theoretisch mit Prozessparametern, z. B. nimmt der SDAS typischerweise mit steigender Abkühlgeschwindigkeit ab, was zu höherer Festigkeit, aber auch erhöhter Sprödigkeit führen kann.
Experimentell werden Spacings mittels Licht- und Elektronenmikroskopie, Bildanalyse und statistischer Auswertung (Linien- und Flächenschnitte, Fourier-Analyse) bestimmt. In der Modellierung dienen sie als Eingangsgrößen in mehrskaligen Simulationsansätzen, etwa zur Homogenisierung oder zur Parametrisierung von Kristallplastizitäts- und Diffusionsmodellen. Eine präzise Erfassung und gezielte Einstellung von Spacings ist somit ein Schlüssel zur eigenschaftsorientierten Mikrostruktur- und Prozessauslegung.
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