Ein Prüfkörper (engl. specimen) ist ein definiert hergestelltes Probenstück, dessen Geometrie, Oberfläche und Gefügezustand für die Durchführung standardisierter Werkstoffprüfungen festgelegt sind. Ziel ist es, reproduzierbare und vergleichbare Kennwerte – etwa Zugfestigkeit, Bruchzähigkeit oder Ermüdungsfestigkeit – zu erhalten, die unabhängig von zufälligen Geometrie- oder Randbedingungen des Bauteils sind.
Die Spezifikation von Prüfkörpern ist in Normen (z.B. ISO, EN, ASTM) detailliert geregelt. Wesentliche Parameter sind Abmessungen (z.B. Schulterbreite, Messlänge, Kerbgeometrie), Toleranzen, Oberflächenrauheit sowie Probenorientierung relativ zur Herstellrichtung (Walz-, Gieß-, Druckrichtung, additiv gefertigte Aufbauachse). Abweichungen hiervon können das Spannungs- und Dehnungsfeld lokal stark verändern und damit die gemessenen Kennwerte systematisch verfälschen.
Ein Prüfkörper unterscheidet sich begrifflich von einer Probe (bulk sample), die zunächst nur das entnommene Materialvolumen bezeichnet. Erst durch mechanische Bearbeitung, Wärmebehandlung und gegebenenfalls Vorbereitungsverfahren wie Polieren oder Einbetten wird aus der Probe ein normgerechter Prüfkörper für mechanische, physikalische oder mikrostrukturelle Untersuchungen.
In der experimentellen Werkstoffmechanik kommt der Prüfkörpergeometrie eine zentrale Rolle bei der Definition des Beanspruchungszustands zu. Beispiele sind glatte Rundproben für einachsige Zugversuche, gekerbte Proben für Kerbschlagbiegeversuche, CT- und SENB-Proben für Bruchmechanik sowie Dünnfolien- oder Mikrosäulen-Specimens in der Mikromechanik. Die sorgfältige Dokumentation der Prüfkörperausführung ist Voraussetzung für die Übertragbarkeit der Ergebnisse und deren Verwendung in Werkstoffmodellen und Normenkennwerten.
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