Fachsprache und Terminologie in den Werkstoffwissenschaften

Der Begriff Terminologie bezeichnet die Gesamtheit der fachlich definierten Begriffe und ihrer Bezeichnungen innerhalb eines Wissensgebiets. In den Werkstoffwissenschaften umfasst dies unter anderem klar abgegrenzte Termini für Gefügebestandteile, Phasen, mechanische Kennwerte, Prüfmethoden und Normen. Terminologische Präzision ist Voraussetzung für Reproduzierbarkeit, Vergleichbarkeit von Daten und eine eindeutige Interpretation experimenteller Ergebnisse.

Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Begriff (mentale Einheit), Benennung (sprachliches Zeichen, z.B. „Streckgrenze“) und Definition (sprachliche Beschreibung des Begriffs). Eine konsistente Terminologie verlangt, dass jeder relevante Begriff eindeutig definiert und möglichst eindeutig benannt ist. Mehrdeutigkeit, Synonymie und unklare Übersetzungen – etwa zwischen deutschem und englischem Fachvokabular – können zu Fehlinterpretationen, fehlerhaften Berechnungen oder falscher Werkstoffauswahl führen.

In der Praxis wird die Terminologie durch Normen (z.B. ISO, EN, ASTM), Fachgremien und Fachliteratur harmonisiert. Dies gilt etwa für Bezeichnungen von Legierungen, Kurzzeichen von Stählen, Nomenklatur von Versagensmechanismen oder die Definition mechanischer Kennwerte (z.B. „yield strength“ vs. „proof stress“). Terminologiemanagement, inklusive kontrollierter Vokabulare und Ontologien, gewinnt mit zunehmender Digitalisierung, Datenbanken und automatisierter Auswertung (z.B. Materials Informatics) an Bedeutung, da semantische Interoperabilität nur mit strikt kontrollierter Terminologie gewährleistet ist.

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