Begriff und Bedeutung: Unter Textur versteht man in Vielkristallen die statistische Verteilung der kristallographischen Orientierungen der Körner. Eine ideale Zufallsorientierung wird als texturfrei (orientierungsspezifisch isotrop) bezeichnet, wohingegen gerichtete Orientierungen eine ausgeprägte Textur ergeben. Texturen beeinflussen wesentlich anisotrope mechanische, elektrische, magnetische und chemische Eigenschaften.
Charakterisierung: Die Textur wird durch Orientierungsverteilungsfunktionen (OVF/ODF) beschrieben, die die Wahrscheinlichkeitsdichte bestimmter Orientierungen angeben. Experimentell erfolgt die Texturanalyse typischerweise mittels Röntgen- oder Neutronenbeugung (Polfiguren, inversen Polfiguren) oder mittels EBSD im Rasterelektronenmikroskop. Spezielle Texturtypen, z. B. Basaltexturen in hexagonal dichtesten Packungen, werden über Bevorzugungen bestimmter Gitterebenen bzw. -richtungen relativ zur Probengeometrie definiert.
Texturentwicklung: Texturentwicklung (Textur Evolution) resultiert aus plastischer Verformung, Phasenumwandlungen und Rekristallisation. Während der Verformung führt die bevorzugte Aktivierung bestimmter Gleitsysteme zur Ausbildung charakteristischer Orientierungsaggregate. Während Rekristallisation und Kornwachstum können sich diese Orientierungen verstärken, abschwächen oder in neue, energetisch begünstigte Texturen übergehen.
Funktionale Konsequenzen: In Blechen steuern Walztexturen Umformbarkeit und Richtungsabhängigkeit der Fließkurven, in elektrischen Stählen ermöglicht eine gezielte Goss-Textur geringe Ummagnetisierungsverluste, und in HCP-Metallen bestimmen Basaltexturen das Spannungs-Dehnungs-Verhalten. Auch Oberflächenreliefs nach Verformung spiegeln die lokale Textur wider und erlauben Rückschlüsse auf aktive Gleitsysteme.
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