Der Begriff Behandlung bezeichnet in der Werkstofftechnik sämtliche gezielten physikalischen, chemischen oder biologischen Prozesse, mit denen die Eigenschaften eines Werkstoffs oder eines materialsystembezogenen Mediums (z. B. Prozesswasser) modifiziert werden. Behandlungen werden eingesetzt, um Mikrostruktur, Oberflächenzustand, chemische Stabilität, Funktionalität oder Lebensdauer zu steuern.
Strukturelle Behandlungen umfassen insbesondere thermische, thermomechanische und thermochemische Verfahren. Thermische und thermomechanische Behandlungen (z. B. Lösungsglühen, Abschrecken, Auslagern, Warmumformen) zielen auf eine definierte Gefügeausbildung, Korngrößensteuerung und Eigenspannungszustände ab. Thermochemische Behandlungen wie Aufkohlen, Nitrieren oder Borieren kombinieren Diffusionsprozesse mit Temperaturführung, um randzonenspezifische Härte‑, Verschleiß‑ und Korrosionseigenschaften einzustellen.
Oberflächenbezogene Behandlungen bilden eine weitere zentrale Klasse. Mechanische Oberflächenbehandlungen (z. B. Kugelstrahlen, Walzfestigen) induzieren Kaltverfestigung und druckeigenspannungsdominierte Randzonen. Laser‑Oberflächenbehandlungen erlauben lokal begrenzte Gefügeumwandlungen, Schmelzmodifikationen oder Texturierungen mit hoher Präzision. Elektrochemische Behandlungen wie Anodisation, elektrochemisches Polieren oder Beschichtungen beeinflussen Korrosionsverhalten, Haftung und Funktionalisierung (etwa für Katalyse oder Biokompatibilität).
In prozessbegleitenden Medien wird der Begriff Behandlung u. a. in der Abwasserbehandlung und Biofilmprävention verwendet. Hier steht die gezielte Veränderung der chemischen Zusammensetzung, mikrobiologischen Aktivität oder Partikelfracht im Vordergrund, um Prozessstabilität, Umweltschutz und Anlagenintegrität sicherzustellen.
Insgesamt sind Behandlungen integraler Bestandteil der Werkstoffentwicklung und ‑anwendung. Ihre Auslegung erfordert ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Transportphänomene, Reaktionskinetik und Struktur‑Eigenschafts‑Beziehungen, da bereits geringe Abweichungen in Prozessparametern zu signifikanten Änderungen der resultierenden Materialeigenschaften führen können.
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