Der Begriff usage bezeichnet im werkstoffwissenschaftlichen Kontext die konkrete Art und Weise, wie ein Werkstoff in einer technischen Anwendung eingesetzt und beansprucht wird. Dies umfasst neben der geometrischen und konstruktiven Einbindung insbesondere das reale Einsatzumfeld (Temperatur, Feuchte, Medien), das Belastungskollektiv (statisch, zyklisch, schlagartig) sowie die Dauer des Einsatzes. Die Gesamtheit dieser Randbedingungen wird oft als Einsatz- oder Gebrauchsbedingungen beschrieben.
Für die Werkstoffauswahl sind typische Usages entscheidend, etwa tragende Strukturbauteile, Funktionsschichten, Verschleißteile oder korrosionsbeanspruchte Komponenten. Aus der vorgesehenen Nutzung leiten sich relevante Kenngrößen ab, z. B. Dauerfestigkeit, Kriechbeständigkeit, Korrosions- und Verschleißresistenz oder thermische Zyklenbeständigkeit. Zwischen Laborprüfung und realem Usage besteht häufig ein Skalierungs- und Übertragungsproblem, da reale Beanspruchungen komplex überlagert sind.
In der Werkstofftechnik wird daher zwischen intended usage (geplante Nutzung) und misuse (Fehlanwendung) unterschieden, um Versagensursachen korrekt zuzuordnen. Normen und Werkstoffdatenblätter beziehen sich explizit auf definierte Usages, etwa Druckbehälterbetrieb, Lageranwendungen oder Hochtemperaturbetrieb.
Die präzise Beschreibung des Usage-Szenarios ist Voraussetzung für Lebensdauervorhersagen, Sicherheitsfaktoren und Schadensanalysen. Moderne Ansätze koppeln anwendungsnahe Simulationsmodelle (z. B. thermomechanische FEM) mit werkstoffphysikalischen Modellen, um das reale, häufig variable Usage möglichst realitätsnah abzubilden.
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