Die Viskosität ist ein grundlegender Stoffparameter, der den inneren Fließwiderstand eines Fluids (Flüssigkeit, Gas oder Schmelze) gegenüber einer aufgebrachten Schubspannung beschreibt. Sie verknüpft Schubspannung und Schergeschwindigkeit und wird für Newtonsche Fluide durch das Newtonsche Fließgesetz charakterisiert. In der Werkstofftechnik ist die Viskosität entscheidend für Prozesse wie Gießen, Spritzgießen, Extrusion, Sintern mit flüssiger Phase, Beschichtung sowie die Auslegung von Schmier- und Elektrolytsystemen.
Man unterscheidet dynamische Viskosität (η, SI-Einheit Pa·s) und kinematische Viskosität (ν = η/ρ, Einheit m²/s). Viele metallische und polymerische Schmelzen zeigen ein stark temperaturabhängiges, oft nicht-newtonsches Verhalten, etwa Scherverdünnung. Die Schmelzviskosität von Polymeren bestimmt maßgeblich die Formfüllung, Orientierung und damit die resultierenden mechanischen Eigenschaften.
In der tribologischen Auslegung ist die Schmiermittelviskosität zentral für die Ausbildung tragfähiger Schmierfilme und den Übergang zwischen hydrodynamischer und Misch-/Grenzreibung. In Elektrolyten beeinflusst die Viskosität Ionentransport, Leitfähigkeit und Grenzflächenkinetik, beispielsweise in Batterien und galvanischen Prozessen.
Viskositätskontrolle und -anpassung erfolgen durch Temperaturführung, Zusammensetzung (Additive, Lösungsmittel, Füllstoffe), Polymermolekulargewicht oder Partikelgehalt bei Suspensionen. Viskositätsverhältnisse zwischen Phasen sind ein Schlüsselfaktor für Dispersion, Entmischung und die Stabilität mehrphasiger Systeme. Spezielle Effekte wie magnetische Viskositätsparameter treten in magnetorheologischen Flüssigkeiten auf, bei denen externe Felder die effektive Viskosität reversibel verändern.
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