Der Begriff Wand (wall) bezeichnet in der Werkstofftechnik einerseits makroskopische Bauteilbegrenzungen, andererseits – im engeren wissenschaftlichen Kontext – dünne, oft funktional entscheidende Schichten an der Oberfläche oder im Inneren eines Werkstoffs. Makroskopisch handelt es sich um tragende oder trennende Strukturen, deren Steifigkeit, Festigkeit, Kriech- und Bruchverhalten durch Geometrie (Dickenverhältnis, Schlankheit) und Werkstoffkennwerte (E‑Modul, Streckgrenze, Zähigkeit) bestimmt werden. Typische Beispiele sind dünnwandige Druckbehälter, Gehäuse oder Wände von Sandwichstrukturen.
Auf mikroskopischer und mesostruktureller Ebene werden mit „walls“ häufig geordnete, lokal begrenzte Bereiche bezeichnet, etwa Domänenwände in Ferroelektrika oder Ferromagnetika. Diese Wände trennen energetisch unterschiedliche Orientierungen des Ordnungsparameters (Polarisation, Magnetisierung) und sind für Hysteresekurven, Kopplungseffekte und funktionale Eigenschaften wie Aktorik oder Speicherverhalten essentiell.
Im Kontext von Grenzflächen bezeichnet man als Wand oft die feste Begrenzung eines Strömungs- oder Diffusionsraums (z.B. Porenwände in Membranen oder Schaumstrukturen). Hier dominieren Wand-Nah-Effekte wie veränderte Viskosität, Adsorption, Grenzflächenladung oder selektive Permeation. Für das mechanische und funktionale Design von Bauteilen ist daher die Kopplung zwischen Wandgeometrie, Mikrostruktur und den lokalen Feldverteilungen (Spannung, Temperatur, elektrische bzw. magnetische Felder, chemische Potentiale) von zentraler Bedeutung.
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