Austenit bezeichnet die kubisch-flächenzentrierte (kfz, γ-Phase) Hochtemperatur-Phase des Eisen-Kohlenstoff-Systems und vieler Eisenbasislegierungen. Er ist durch eine im Vergleich zu Ferrit deutlich höhere Löslichkeit von Kohlenstoff (bis ca. 2,1 Massen-% C bei 1147 °C im Fe–C-Zustandsdiagramm) und durch charakteristische mechanische und thermodynamische Eigenschaften gekennzeichnet.
Stabilisierende Legierungselemente wie Ni, Mn, N, Cu sowie C verschieben das Austenitgebiet zu tieferen Temperaturen und können bei geeigneter Zusammensetzung raumtemperaturstabilen Austenit (z. B. in nichtrostenden Cr-Ni-Stählen) erzeugen. Elemente wie Cr, Mo, Si wirken hingegen ferritstabilisierend. Die Austenitstabilität wird häufig über empirische Austenitstabilitätsparameter oder Äquivalente (z. B. Ni-Äquivalent) beschrieben.
Die Gefügebildung von Austenit ist zentral für Wärmebehandlungsprozesse. Beim Austenitisieren werden ferritisch/perlitische Gefüge in Austenit überführt; anschließendes Abschrecken und Anlassen führt zu Martensit, Bainit oder feinstperlitischen Strukturen. Unvollständige Umwandlung kann zu retiniertem bzw. Restaustenit führen, der die Maß- und Formstabilität sowie Härte und Zähigkeit beeinflusst. Unter bestimmten Bedingungen kann sich revertierter Austenit beim Anlassen von martensitischen Stählen bilden.
In austenitischen nichtrostenden Stählen (z. B. 18/8 Cr-Ni-Stähle) ermöglicht der Austenit in Kombination mit hoher Cr- und Ni-Gehaltsauslegung hohe Korrosionsbeständigkeit, gute Zähigkeit bis tiefe Temperaturen sowie ausgeprägte Umformbarkeit. Erweiterter Austenit („S-Phase“) beschreibt eine durch interstitielle N- oder C-Anreicherung erzeugte, metastabile, stark gehärtete γ-Variante an der Oberfläche rostfreier austenitischer Stähle.
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