In den Materialwissenschaften bezeichnet der Begriff Plattform eine strukturierte, meist digitale Umgebung, in der Daten, Methoden, Werkzeuge und Akteure systematisch zusammengeführt werden. Plattformen dienen als infrastrukturelle Basis, um Experiment, Simulation, Datenanalyse und Wissensaustausch effizient zu integrieren.
Digitale Plattformen umfassen typischerweise Materialdatenbanken, Simulationsumgebungen und Workflowsysteme, die über standardisierte Schnittstellen (APIs) und Metadatenmodelle verknüpft sind. Materialdatenplattformen stellen kuratierte Daten mit definierter Datenqualität, Rückverfolgbarkeit (Provenienz) und Versionierung bereit.
Materialbeschleunigungsplattformen integrieren Hochdurchsatz-Experiment, automatisierte Analyseplattformen, Simulation und KI-gestützte Entscheidungsunterstützung zu geschlossenen Entwicklungsschleifen ("closed-loop discovery"). Ziel ist die drastische Beschleunigung der Werkstoffentwicklung durch datenzentrierte Optimierung.
Kollaborative und virtuelle Plattformen ermöglichen verteilte Zusammenarbeit, z.B. durch gemeinsame Nutzung von Rechenressourcen, Laborsteuerung, elektronischen Laborjournalen und Konferenz- bzw. Veranstaltungsplattformen für Fachdiskurs und Dissemination. Sie adressieren Aspekte wie Zugriffsrechte, IP-Management und Standardisierung von Experiment- und Datenprotokollen.
Wesentliche wissenschaftliche Herausforderungen bei Plattformen sind Interoperabilität (gemeinsame Ontologien, Formate), Nachhaltigkeit der Infrastruktur, Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sowie die Integration heterogener Skalen und Methoden. Richtig konzipierte Plattformen werden zu zentralen Knoten einer offenen, FAIR-orientierten (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) Werkstoffforschung.
© 2026