Der Debinding-Prozess bezeichnet in der Werkstofftechnik und insbesondere im Pulververarbeitungskontext das Entfernen des organischen Binders aus vorgefertigten Bauteilen. Bei Verfahren wie dem Pulverinjektions- oder Keramikspritzgießen wird ein Binder eingesetzt, um die Pulverpartikel während der Formgebung zusammenzuhalten. Nach dem Formen muss dieser Binder jedoch entfernt werden, um eine optimale Sinterung oder weitere Verarbeitungsschritte zu ermöglichen.
Es gibt verschiedene Techniken des Debindings, wobei die thermische und die chemische Methode am häufigsten eingesetzt werden. Beim thermischen Debinding wird der Bauteil in einer kontrollierten Atmosphäre langsam erhitzt, sodass der Binder verdampft oder thermisch zersetzt wird. Diese Methode erfordert eine präzise Steuerung der Temperaturprofile, um die Bildung von inneren Spannungen oder Rissen zu vermeiden. Im chemischen Debinding erfolgt die Binderlösung häufig durch Eintauchen in ein Lösungsmittel, das den Binder selektiv löst, ohne das Pulvergerüst zu schädigen.
Der Erfolg des Debindings ist maßgeblich für die Qualität des Endprodukts, da Rückstände oder zu schnelles Entfernen des Binders zu fehlerhaften Mikrostrukturen führen können. Dieser Prozess ist daher ein essentieller Zwischenschritt vor der Sinterung oder anderen Verfestigungsverfahren, um optimale mechanische Eigenschaften und eine gleichmäßige Porenverteilung zu erzielen.
© 2026