Messing bezeichnet eine Gruppe kupferbasierter Legierungen mit primärem Legierungselement Zink (typisch ca. 5–40 Massen-% Zn). Durch Variation des Zinkgehalts sowie Zusatzlegierungselementen wie Pb, Sn, Al, Mn, Si oder Ni lässt sich ein breites Eigenschaftsspektrum einstellen, das Messinge in vielen technischen Anwendungen etabliert.
Phasendiagramm-basiert unterscheidet man vor allem α-Messing (einphasige Cu-reiche α-Mischkristalle, meist bis ca. 35 % Zn) und α-β-Messing (zweiphasig, mit geordneter β-Phase bei höherem Zinkgehalt). α-Messinge sind gut kalt umformbar und weisen hohe Duktilität und gute Korrosionsbeständigkeit auf. α-β-Messinge besitzen höhere Festigkeiten und sind besser für Warmumform- oder Gussprozesse geeignet, jedoch häufig weniger korrosionsbeständig.
Automatenmessing enthält typischerweise 1–3 % Blei zur Verbesserung der Spanbarkeit durch Bildung weicher, schmierend wirkender Bleieinschlüsse. Aufgrund regulatorischer Beschränkungen (z. B. RoHS, Trinkwasserrichtlinien) gewinnen bleifreie Messinge mit Zusätzen wie Bi, Si oder Sb an Bedeutung, die eine vergleichbare Bearbeitbarkeit ohne toxisches Pb ermöglichen.
Für Anwendungen in chloridhaltigen Medien werden spezielle Legierungen entwickelt. Seewasserfeste Messinggussteile enthalten oft Zusätze von Sn, Al, Ni oder Mn, um die Beständigkeit gegenüber Entzinkung und Spannungsrisskorrosion zu erhöhen. Gleichwohl sind Cu-Zn-Legierungen gegenüber bestimmten Korrosionsformen – insbesondere Entzinkung – prinzipiell anfällig, sodass Werkstoffwahl und Betriebsbedingungen sorgfältig abzustimmen sind.
Anwendungsschwerpunkte umfassen Armaturen, Wärmetauscherrohre, elektrische Kontaktteile und Präzisionsdrehteile. Die gezielte Mikrostruktur- und Legierungsdesign-Strategie erlaubt die Optimierung von Festigkeit, Umformbarkeit, Korrosionsverhalten und Bearbeitbarkeit für spezifische Einsatzbedingungen.
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