Placement bezeichnet in der Faserverbundtechnik die gezielte räumliche Ablage und Positionierung von Verstärkungsfasern, Bändern, Rovings oder funktionalen Einlegern (z. B. Sensoren) innerhalb eines Laminats oder Preforms. Ziel ist eine lastpfadgerechte Auslegung, die Materialeffizienz, Bauteilsteifigkeit, Festigkeit und Funktionalität optimiert.
Grundlegend wird zwischen Trockenfaserplatzierung und Nassfaserplatzierung unterschieden. Bei der Trockenfaserplatzierung werden trockene Fasern oder Tows auf ein Werkzeug oder ein Trägergewebe abgelegt und anschließend separat imprägniert (z. B. RTM, Infusion). Die Nassfaserplatzierung erfolgt mit bereits imprägnierten Fasern (Prepregs, Towpregs) oder in situ benetzten Tows und kombiniert Platzierung und Imprägnierung in einem Schritt.
Tailored Fibre Placement (TFP) steht für eine näh- bzw. stickbasierte Technologie, bei der Faserbündel entlang frei definierbarer Lastpfade auf ein Grundgewebe aufgestickt werden. Dadurch lassen sich anisotrope Steifigkeits- und Festigkeitsverteilungen hochpräzise einstellen. Verwandt hierzu ist die automatisierte Bandablage (AFP/ATL), bei der schmale Bänder computergesteuert kontur- und orientierungsgerecht platziert werden.
Neben Verstärkungsfasern umfasst Placement zunehmend die Sensorplatzierung, etwa von Faser-Bragg-Gittern oder Dehnungssensoren, um strukturelle Gesundheitsüberwachung (SHM) zu ermöglichen. Eine zentrale Herausforderung besteht in der Beherrschung von Faserwelligkeit, Lücken, Überlappungen und Toleranzen, da diese die mechanischen Kennwerte signifikant beeinflussen. Moderne Placementprozesse sind daher stark automatisiert, simulationsgestützt und eng mit Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle gekoppelt.
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