Zählen ("counting") bezeichnet in der Werkstofftechnik die systematische Erfassung diskreter Objekte wie Partikel, Poren, Einschlüsse oder Gefügebestandteile, um quantitative Kenngrößen der Mikrostruktur abzuleiten. Zählungen bilden die Grundlage stereologischer Auswertungen und qualitätssichernder Prüfungen.
Typische Anwendungen sind die Partikelzählung in Schmelzen, Pulvern, Beschichtungen und Flüssigkeiten (z.B. Reinheitsbewertung von Stählen oder Hydraulikölen) sowie die Ermittlung von Dichte, Größenverteilung und räumlicher Verteilung von Poren und Ausscheidungen. Die Ergebnisse werden häufig als Anzahl pro Flächeneinheit, Volumeneinheit oder Masse angegeben.
Zählverfahren lassen sich in manuelle und automatische Methoden unterteilen. Manuelle Verfahren nutzen optische oder Elektronenmikroskopie mit systematischer Feldwahl, während automatische Verfahren Bildverarbeitung oder sensorspezifische Zähler (z.B. Lichtblockade, Laserstreuung) einsetzen. Zentrale Anforderungen sind Repräsentativität des Probenumfangs, definierte Zählregeln (Inklusions-/Exklusionskriterien an Feldrändern) und eine korrekte statistische Auswertung.
Ein wichtiges spezielles Verfahren ist das Intercept-Zählverfahren, bei dem Schnittlinien über Mikrobilder gelegt und Schnittpunkte mit Phasengrenzen gezählt werden. Aus diesen Intercepts lassen sich z.B. Korngrößen, spezifische Oberflächen oder Phasenanteile stereologisch abschätzen.
Die Zählstatistik folgt häufig Poisson- oder binomialen Modellen; daher ist die Angabe von Konfidenzintervallen und Messunsicherheit essenziell. Sorgfältig geplante Zählungen ermöglichen eine robuste Quantifizierung der Mikrostruktur und damit belastbare Korrelationen zu mechanischen und funktionellen Werkstoffeigenschaften.
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