In der Werkstofftechnik bezeichnet der Begriff Collector bzw. Kollektor üblicherweise elektrisch leitfähige Strukturen, die Strom aus einem aktiven Material aufnehmen (oder in dieses einspeisen), ohne selbst maßgeblich an der elektrochemischen Reaktion teilzunehmen. Typische Beispiele sind Stromkollektoren in Batterien, Superkondensatoren, Brennstoffzellen oder in Dünnschicht-Photovoltaik.
Wesentliche Anforderungen an Kollektorwerkstoffe sind hohe elektrische Leitfähigkeit, chemische und elektrochemische Stabilität im jeweiligen Elektrolyten sowie gute Haftung zu den aktiven Schichten. Gleichzeitig spielen mechanische Eigenschaften – etwa Biege‑ und Ermüdungsfestigkeit in flexiblen Systemen – eine zentrale Rolle. In der Lithium-Ionen-Batterie sind Cu-Folien etablierte Kollektoren für die Anode und Al-Folien für die Kathode; in Polymer-Elektrolytelementen kommen häufig netzartige oder poröse Metallstrukturen zum Einsatz, um Kontaktfläche und Benetzbarkeit zu erhöhen.
Werkstofftechnisch relevant sind Mikrostruktur (Korngröße, Textur), Oberflächenmodifikationen (Beschichtungen, Passivschichten) und Fertigungsprozesse wie Walzen, Elektroplattieren oder Dünnschichtabscheidung. Diese beeinflussen Kontaktwiderstand, Korrosionsverhalten und Degradationsmechanismen (z.B. Delamination, Rissbildung). Im Unterschied zum Stromabnehmer (z.B. Schleifleisten bei Oberleitungen), der überwiegend makroskopische, tribologisch belastete Kontakte realisiert, sind Kollektoren häufig integrale, dünne Schichten innerhalb eines mehrschichtigen Verbundsystems.
Aktuelle Entwicklungen fokussieren auf leichtere, korrosionsbeständigere oder kostengünstigere Alternativen, etwa metallisierte Polymere, leitfähige Kohlenstoffnetzwerke oder nanostrukturierte Verbunde, um Leistungsdichte und Lebensdauer elektrochemischer Energiespeicher zu steigern.
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