Medizinische Geräte (medical devices) umfassen ein breites Spektrum technischer Systeme, die zur Diagnose, Prävention, Überwachung oder Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden, ohne primär pharmakologisch, immunologisch oder metabolisch zu wirken. Aus werkstofftechnischer Sicht stehen die gezielte Auswahl, Verarbeitung und Charakterisierung von Materialien im Vordergrund, um Funktionalität, Biokompatibilität und Langzeitstabilität sicherzustellen.
Typische Klassen sind implantierbare Systeme (z. B. Stents, Gelenkprothesen), minimalinvasive Instrumente, diagnostische Sensoren sowie funktionalisierte Oberflächen, etwa bei medikamentenfreisetzenden Kontaktlinsen. Zentrale Anforderungen betreffen mechanische Integrität (Ermüdung, Verschleiß, Bruchzähigkeit), chemische und elektrochemische Stabilität (Korrosionsbeständigkeit, Degradation) sowie kontrollierte Interaktion mit biologischen Geweben (Adhäsion, Proteinadsorption, Zellantwort).
Die Materialpalette reicht von Metallen (Ti‑Legierungen, CoCr, Edelstähle) über Polymere (PEEK, Silikone, Polyurethane, Hydrogele) bis zu Keramiken (Al2O3, ZrO2) und Verbundwerkstoffen. Für biomedizinische Geräte gewinnen zudem bioresorbierbare Polymere und Mg‑Legierungen an Bedeutung. Funktionale Beschichtungen ermöglichen z. B. antimikrobielle Oberflächen oder kontrollierte Medikamentenfreisetzung.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen (z. B. MDR in der EU, FDA-Regularien in den USA) stellen spezifische Anforderungen an Werkstoffdaten, Alterungs- und Sterilisationsbeständigkeit sowie an präklinische Prüfungen (z. B. ISO 10993‑Reihe). Für Werkstoffwissenschaftler ergeben sich daraus anspruchsvolle Aufgaben in der Schnittstelle von Materialdesign, Herstellungstechnologie (inkl. Additiver Fertigung) und normgerechter Charakterisierung.
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