Genauigkeit in der Werkstoff- und Fertigungsmesstechnik

Genauigkeit bezeichnet in der werkstoff- und fertigungsbezogenen Messtechnik den Grad der Übereinstimmung eines Messergebnisses mit einem wahren oder vereinbarten Referenzwert. Sie ist ein zentraler Qualitätsparameter bei der Charakterisierung von Werkstoffeigenschaften (z.B. Elastizitätsmodul, Härte) und bei der Beurteilung von Bauteil- und Fertigungsqualität.

Metrologisch ist Genauigkeit kein direkt messbarer, sondern ein qualitativer Begriff. Quantitativ werden Abweichungen über systematische Messabweichung (Verzerrung, Bias) und zufällige Streuung beschrieben. Eine hohe Genauigkeit erfordert daher sowohl geringe systematische Fehler (z.B. durch Kalibrierung, Kompensation von Temperatur- und Geräte­einflüssen) als auch eine ausreichende Wiederhol- bzw. Reproduzierbarkeit der Messungen.

In der Fertigungstechnik wird zwischen Maßgenauigkeit (Abweichung vom Nennmaß), geometrischer Genauigkeit (Form- und Lageabweichungen, z.B. Rundheit, Ebenheit) und Konturgenauigkeit (Abweichung einer realen von einer Soll-Kontur) unterschieden. Diese Aspekte sind für funktionskritische Bauteile, etwa in Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik, entscheidend, da sie Passung, Belastbarkeit und Dauerfestigkeit beeinflussen.

Genauigkeit ist stets im Kontext von Messunsicherheit, Messstrategie (z.B. taktile vs. optische Erfassung), Probenpräparation und Normung (z.B. ISO 14253, ISO 1101) zu bewerten. Für wissenschaftlich belastbare Werkstoffdaten ist eine transparente Angabe der Messunsicherheit und der Einflussgrößen unerlässlich, um Messergebnisse vergleichbar und reproduzierbar zu machen.

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