In den Ingenieurwissenschaften bezeichnet der Begriff Vorteil („advantage“) eine eigenschafts- oder kontextbezogene Überlegenheit eines Werkstoffs, eines Werkstoffkonzepts oder eines Fertigungsverfahrens gegenüber alternativen Optionen. Vorteile sind stets relativ: Sie ergeben sich aus einem Vergleich unter definierten Randbedingungen, etwa Lastkollektiv, Temperaturbereich, Korrosivitätsgrad der Umgebung, Kostenrestriktionen oder Recyclinganforderungen.
Typische vorteilsrelevante Kenngrößen sind mechanische Eigenschaften (z.B. spezifische Festigkeit, Ermüdungsbeständigkeit), funktionale Eigenschaften (z.B. elektrische Leitfähigkeit, Diffusionsbarrieren, katalytische Aktivität), Umwelt- und Ressourcenaspekte (z.B. CO₂-Fußabdruck, Kritikalität von Legierungselementen) sowie prozesstechnische Kriterien (z.B. Schweißbarkeit, Pulververarbeitbarkeit, Additivfertigungseignung).
In der wissenschaftlichen Bewertung von Vorteilen ist eine präzise, quantitativ gestützte Formulierung essenziell. Werkstoffentscheidungen werden zunehmend mit multikriteriellen Methoden getroffen, etwa unter Verwendung von Ashby-Diagrammen, Lebenszyklusanalyse (LCA) oder kostenbasierten Performance-Indikatoren. Dabei gilt, dass ein Vorteil in einer Zielgröße häufig mit Nachteilen in anderen Zielgrößen gekoppelt ist (z.B. erhöhte Hochtemperatureigenschaften versus gesteigerte Legierungskosten oder eingeschränkte Verfügbarkeit).
Der Begriff Vorteil ist somit nicht nur technisch, sondern auch systemisch zu verstehen: Er entsteht aus der Abwägung von Eigenschaftsprofil, Verarbeitbarkeit, Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im spezifischen Einsatzkontext eines Werkstoffs oder Bauteils.
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