Korrosionsinhibitoren sind niedermolekulare oder polymere Stoffe, die in geringen Konzentrationen der korrosiven Phase zugesetzt werden, um die Korrosionsrate metallischer Werkstoffe signifikant zu reduzieren, ohne die Betriebsbedingungen wesentlich zu ändern. Sie wirken primär durch Beeinflussung elektrochemischer Teilreaktionen und/oder durch Ausbildung schützender Adsorptions- bzw. Reaktionsschichten auf der Metalloberfläche.
Grundlegend unterscheidet man anodische, kathodische, gemischt wirksame und flüchtige Korrosionsinhibitoren (VCI/VPI). Anodische Inhibitoren, etwa Nitrite oder Phosphate, fördern die Passivierung, indem sie eine stabile Oxidschicht ausbilden. Kathodische Inhibitoren, z.B. organische Amine oder Zinksalze, verringern die Sauerstoffreduktion oder Wasserstoffentwicklung, häufig durch Bildung schwerlöslicher Verbindungen auf kathodischen Bereichen. Gemischte Inhibitoren beeinflussen beide Teilreaktionen simultan.
Organische Inhibitoren mit Heteroatomen (N, S, O) adsorbieren meist physikalisch oder chemisch über freie Elektronenpaare und π‑Elektronensysteme und bilden dichte, hydrophobe Barrierefilme, etwa in sauren Beizmedien oder CO₂‑haltigen Leitungen. Anorganische Inhibitoren greifen stärker in die Oberflächenchemie ein und können die Lösungsspezies signifikant verändern. Die Wirksamkeit hängt von Medium, pH‑Wert, Temperatur, Strömungsbedingungen und Legierungszusammensetzung ab.
Aus werkstofftechnischer Sicht sind Kompatibilität mit dem Grundwerkstoff, Langzeitstabilität, Wechselwirkung mit Beschichtungen und Umwelt- sowie Toxizitätsaspekte (z.B. Ersatz chromathaltiger Systeme) zentrale Auswahlkriterien. Moderne Ansätze umfassen „intelligente“ Inhibitorfreisetzung aus Mikro- oder Nanokapseln in selbstheilenden Beschichtungen sowie die Entwicklung bioinspirierter und „grüner“ Inhibitorformulierungen.
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