Deflection (Durchbiegung/Auslenkung) bezeichnet in der Mechanik von Bauteilen die ortsabhängige Verschiebung eines Punktes eines Körpers unter Last relativ zu seiner unbelasteten Referenzkonfiguration. Sie ist eine direkte Konsequenz von Spannung, Dehnung und Steifigkeit und stellt eine zentrale Kenngröße für die Gebrauchstauglichkeit von Komponenten dar.
Im linearen Elastizitätsbereich lässt sich die Durchbiegung von Balken und Platten mittels Elastizitätstheorie, z.B. der Euler-Bernoulli- oder Timoshenko-Balkentheorie, beschreiben. Die Deflection hängt u.a. von Elastizitätsmodul, Querschnittsgeometrie (Flächenträgheitsmoment), Lagerung, Lastverteilung und Temperatur ab. In anisotropen oder faserverstärkten Werkstoffen ist die Deflection richtungsabhängig und erfordert eine orthotrope oder vollanisotrope Materialbeschreibung.
Für das Werkstoffdesign ist die Begrenzung der Durchbiegung häufig kritischer als die reine Festigkeit, da zu große Auslenkungen zu Funktionsversagen, Schwingungsproblemen oder Rissinitiierung führen können. Normen definieren daher zulässige Grenzdurchbiegungen. Im nichtlinearen Bereich (plastische Verformung, Kriechen, große Deformationen) müssen konstitutive Gesetze erweitert werden, um zeit- und deformationsabhängige Deflectionen korrekt zu beschreiben.
Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit der Rissumlenkung: Lokale Deflection des Spannungs- und Verschiebungsfeldes an Inhomogenitäten oder Grenzflächen kann die Rissausbreitungsrichtung ändern. Durch gezielte Gestaltung von Steifigkeitsgradienten oder Phasenanordnungen lässt sich so die Deflection von Risspfaden steuern und die Bruchzähigkeit erhöhen.
© 2026