Ein Eutektikum bezeichnet in binären oder höherkomponentigen Phasendiagrammen eine spezifische Zusammensetzung, bei der eine Schmelze beim Abkühlen bei einer eindeutig definierten, minimalen Temperatur isotherm in zwei oder mehr feste Phasen erstarrt. Diese Temperatur wird als eutektische Temperatur, die Zusammensetzung als eutektische Zusammensetzung bezeichnet. Am eutektischen Punkt existiert ein invariantes Gleichgewicht zwischen Schmelze und den beteiligten festen Phasen.
Die resultierende eutektische Mikrostruktur ist typischerweise feinstlamellar oder faserig (z. B. lamellares Al–Al4Ca‑Eutektikum, eutektisches Silizium in Al–Si‑Legierungen). Die Morphologie wird durch die lokale Unterkühlung, die Diffusionskinetik sowie die interphasige Grenzflächenenergie bestimmt. Klassische theoretische Beschreibungen (Jackson–Hunt‑Modell) korrelieren die Lamellenteilung mit der Wachstumsrate.
In binären eutektischen Systemen tritt nur ein einziger eutektischer Punkt auf, während in ternären eutektischen Systemen komplexere invariante Reaktionen (z. B. dreifache Eutektika) beobachtet werden können. Eutektische Legierungen sind technologisch bedeutsam, da sie einen scharfen Schmelzpunkt (kein Schmelzintervall), gute Gießbarkeit und häufig günstige Kombinationen mechanischer Eigenschaften aufweisen. Durch gezielte Modifikation und Wärmebehandlung kann die eutektische Struktur hinsichtlich Festigkeit, Duktilität oder Leitfähigkeit maßgeschneidert werden.
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