Der Begriff Evaluation bezeichnet in der Werkstofftechnik die systematische, nachvollziehbare und quantifizierbare Bewertung von Werkstoffen, Bauteilen, Prozessen oder Messdaten. Ziel ist es, auf Basis definierter Kriterien und Kennzahlen belastbare Aussagen über Eignung, Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Risiken zu treffen.
Zentrale Elemente einer Evaluation sind: (i) die Festlegung des Bewertungsziels (z. B. Werkstoffbewertung für einen Hochtemperatureinsatz), (ii) die Definition geeigneter Bewertungskriterien (mechanische, thermische, chemische oder funktionale Kenngrößen), (iii) die Wahl von Auswerteverfahren (statistische Analyse, Regressions- und Unsicherheitsbewertung, multikriterielle Entscheidungsverfahren) sowie (iv) die Dokumentation der Bewertungsrubrik, also der Regeln, Gewichtungen und Grenzwerte.
In der experimentellen Werkstoffforschung umfasst Evaluation sowohl in‑vitro‑ als auch in‑vivo Untersuchungen, etwa zur Biokompatibilität oder Degradation von Implantatwerkstoffen. Spezifische Ausprägungen sind die Prozessparameterbewertung in der Additiven Fertigung, die Wärmeleitfähigkeitsbewertung in der Thermoanalyse oder die Signalbewertung bei zerstörungsfreien Prüfverfahren. Die Quantitative Bewertung nutzt statistische Methoden, Unsicherheitsfortpflanzung und Konfidenzintervalle, um Mess- und Modellunsicherheiten explizit zu berücksichtigen.
Eine wissenschaftlich belastbare Evaluation erfordert reproduzierbare Versuchspläne, geeignete Stichprobengrößen und transparente Dokumentation. Nur so lassen sich aus Einzeldaten verallgemeinerbare Aussagen ableiten, Designrichtlinien formulieren und Werkstoff- sowie Prozessoptimierungen validiert durchführen.
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