In der Werkstofftechnik bezeichnet Exposition die definierte oder reale Einwirkung von Umwelt- und Betriebsbedingungen auf einen Werkstoff oder ein Bauteil über eine bestimmte Zeit. Expositionen umfassen chemische (z. B. Medien mit Blei, Nickel, Wasserstoff, Radon), physikalische (Temperatur, Strahlung, Feuchte, Druck) und mechanische Belastungen sowie deren Kombination. Die resultierenden Schädigungsmechanismen bestimmen maßgeblich Lebensdauer, Zuverlässigkeit und Sicherheit.
Man unterscheidet häufig zwischen beruflicher Exposition (z. B. gegenüber Blei- oder Nickelhaltigen Stäuben), die vorrangig für Arbeitsschutz und Toxikologie relevant ist, und der werkstofftechnischen Exposition, bei der der Fokus auf Degradation wie Korrosion, Oxidation, Diffusion, Versprödung oder Ermüdung liegt. Beispiele sind thermische Exposition bei Hochtemperaturlegierungen, Hochdruck‑Wasserstoffbelastung mit Wasserstoffversprödung oder Elementexposition durch aggressive Medien.
Wesentliche Expositionsparameter sind Intensität (z. B. Konzentration, Temperatur, Druck), Dauer, Zyklizität und Kopplung verschiedener Einflüsse. In Laboruntersuchungen werden Expositionen häufig beschleunigt oder normiert (z. B. definierte Korrosions- oder Strahlungsregime), um Langzeitverhalten vorherzusagen. Eine präzise Beschreibung der Exposition ist Voraussetzung für Werkstoffauswahl, Lebensdauerabschätzung, numerische Modellierung und die Übertragbarkeit von Prüfergebnissen auf reale Einsatzbedingungen.
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