In den Ingenieur- und Naturwissenschaften bezeichnet der Begriff Figure bzw. Figure of Merit (Gütezahl) eine skalare, meist dimensionslose Kennzahl, die die Leistungsfähigkeit eines Werkstoffs, Bauteils oder Prozesses in verdichteter Form beschreibt. Solche Kennzahlen erlauben den quantitativen Vergleich unterschiedlicher Systeme unter standardisierten Randbedingungen.
In der Werkstofftechnik sind Gütezahlen häufig aus grundlegenden Materialparametern abgeleitet. Beispiele sind die thermoelektrische Gütezahl zT (abhängig von Seebeck-Koeffizient, elektrischer Leitfähigkeit und Wärmeleitfähigkeit) oder Festigkeitszahlen, die Festigkeit mit Dichte oder Kosten verknüpfen. Ziel ist es, konkurrierende Anforderungen – etwa hohe Festigkeit bei geringer Dichte – in einer einzigen Kennzahl zu erfassen.
Wesentlich ist eine klare Definition der zugrunde liegenden Größen, ihrer Normierung und Gültigkeitsbereiche. Dimensionslose Kennzahlen werden häufig durch geeignete Skalierung (z.B. mit Referenzwerten oder Materialkonstanten) gebildet, was die Übertragbarkeit auf unterschiedliche Werkstoffklassen erleichtert.
In Publikationen werden zudem figures im Sinne von Abbildungen genutzt, um Kennzahlen grafisch darzustellen, etwa in Ashby-Diagrammen. Dabei ist zwischen der grafischen Darstellung (Abbildung) und der physikalischen Kennzahl (Gütezahl) strikt zu unterscheiden. Für eine belastbare Werkstoffbewertung sind sowohl die korrekte mathematische Definition der Gütezahl als auch deren sorgfältige experimentelle Bestimmung entscheidend.
© 2026