Finishing von Werkstoffoberflächen

Unter Finishing versteht man die Gesamtheit der abschließenden Bearbeitungs- und Veredelungsprozesse, die nach der primären Formgebung und ggf. der Wärmebehandlung auf ein Bauteil angewendet werden, um definierte Oberflächeneigenschaften zu erzielen. Zielgrößen sind u. a. Rauheit, Topografie, Randzonen-Zustand, Korrosions- und Verschleißbeständigkeit, optische Eigenschaften sowie funktionale Oberflächenfunktionen (z. B. Antifouling, Antimikrobiell, Haft- oder Gleitverhalten).

Konventionelle Finishing-Verfahren umfassen mechanische Prozesse wie Schleifen, Läppen, Honen und Polieren, bei denen durch kontrollierten Materialabtrag die Oberflächenrauheit reduziert und die Gestaltgenauigkeit erhöht wird. Für hochpräzise Anwendungen, etwa in der Optik oder der Halbleiterfertigung (z. B. chemisch-mechanisches Polieren von Wafern), werden kombinierte chemo-mechanische Verfahren eingesetzt, die sowohl mechanische als auch chemische Abtragsmechanismen nutzen.

Chemische und elektrochemische Nachbehandlungen (Beizen, Elektropolieren, Passivieren) dienen der Einstellung definierter Randzonenchemie und der Verbesserung von Korrosions- und Ermüdungsbeständigkeit. Unter Oberflächenveredelung werden zudem Beschichtungen (PVD, CVD, Galvanik, thermisches Spritzen, organische Lack- und Polymerfilme) gefasst, die als funktionale „Finishes“ fungieren. Spezifische Endbehandlungen, wie antimikrobielle oder hydrophobe Finishes, werden mittels nanoskaliger Schichten, funktionalisierter Polymere oder strukturierter Oberflächen realisiert.

In der Werkstofftechnik ist das Finishing integraler Bestandteil des Prozessdesigns, da viele anwendungskritische Eigenschaften – etwa in der Medizintechnik, Mikrosystemtechnik oder Luft- und Raumfahrt – primär durch die Oberflächen- und Randzoneneigenschaften bestimmt werden, nicht durch den Volumenwerkstoff allein.

Neue Inhalte

Beliebte Inhalte

© 2026