Entflammbarkeit bezeichnet die Fähigkeit eines Werkstoffs, sich unter definierten Zündbedingungen zu entzünden und eine Flamme aufrechtzuerhalten. Für die Werkstofftechnik ist sie eine zentrale Kenngröße im Kontext des Brandschutzes, da sie direkt das Brandverhalten von Bauteilen und Systemen bestimmt.
Wesentliche Parameter sind der Zündtemperaturbereich, die Mindestzündenergie, die Wärmefreisetzungsrate, die Flammenausbreitungsgeschwindigkeit sowie die Selbstverlöschung. Die Entflammbarkeit hängt stark von chemischer Zusammensetzung (z.B. Polymerstruktur, Halogen- oder Phosphorhaltige Flammschutzmittel), Morphologie (Kristallinität, Porosität), Additiven und dem Sauerstoffangebot ab. Quantitativ wird sie häufig über den Limiting Oxygen Index (LOI), UL-94-Klassifikationen oder Cone-Calorimeter-Messungen beschrieben.
Auf mikrostruktureller Ebene bestimmen Pyrolysekinetik und Bildung brennbarer Gase die Entflammbarkeit. Kohlenstoffbildner und intumeszierende Systeme fördern die Ausbildung einer schützenden Kohleschicht, welche Wärme- und Stofftransport begrenzt und damit die Entflammbarkeit reduziert. Bei Metallen und Keramiken ist die Entflammbarkeit meist gering, kann aber bei feindispersen Pulvern oder reaktiven Leichtmetallen (z.B. Mg-Legierungen) relevant werden.
Für den baulichen Brandschutz ist die Einstufung der Entflammbarkeit in Normen (z.B. EN 13501, DIN 4102) entscheidend, um Anforderungen an Werkstoffwahl, Beschichtungen und konstruktiven Brandschutz abzuleiten. In sicherheitskritischen Anwendungen (Luft- und Raumfahrt, Transport, Elektronik) ist die gezielte Reduktion der Entflammbarkeit durch Materialdesign und Flammschutzadditive ein zentrales Entwicklungsziel.
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