Amine sind organische Derivate des Ammoniaks (NH3), bei denen ein, zwei oder drei Wasserstoffatome durch organische Reste (meist Alkyl- oder Arylgruppen) ersetzt sind. Man unterscheidet primäre (R–NH2), sekundäre (R2NH) und tertiäre Amine (R3N). Alkylamine stellen die wichtigste Untergruppe dar, bei der Alkylketten an den Stickstoff gebunden sind.
Die Elektronenkonfiguration des Stickstoffs führt zu ausgeprägter Basizität und Nukleophilie. Diese Eigenschaften sind zentral für Polymerisationsreaktionen (z.B. Polyamide aus Diaminen und Dicarbonsäuren) sowie für Vernetzungsreaktionen von Epoxidharzen durch polyfunktionelle Amine. Die Basizität wird durch Substitution, Solvatisierung und elektronenziehende/-donierende Gruppen fein eingestellt und bestimmt u.a. die Katalyseleistung in Härtungs- und Kondensationsreaktionen.
In der Werkstoffchemie fungieren Amine als Monomere, Härter, Liganden und Additive. In der Koordinationschemie bilden sie Komplexe mit Metallionen, was zur Steuerung von Keimbildung, Korrosionsinhibition und Oberflächenfunktionalisierung genutzt wird. Niedermolekulare Amine wirken als Korrosionsinhibitoren in Wässern und als Säureneutralisatoren in Beschichtungssystemen.
Die thermische und oxidative Stabilität von Aminen ist für Hochtemperatur- und Langzeitanwendungen kritisch; Abbau kann zur Bildung von Nitrosaminen oder anderen Nebenprodukten führen. Für den werkstofftechnischen Einsatz sind daher Reinheit, Diffusionsverhalten, Flüchtigkeit und Toxikologie sorgfältig zu berücksichtigen, insbesondere in strukturellen Polymeren, Verbundwerkstoffen und Funktionsschichten.
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