Tiere sind für die Werkstofftechnik vor allem als Quelle biologischer Strukturen und Funktionsmaterialien relevant. Tierische Gewebe weisen eine hierarchische Organisation von der Molekül- bis zur Makroebene auf und dienen häufig als Vorbild (Bioinspiration) für synthetische Werkstoffe.
Zentrale Beispiele sind kollagenbasierte Gewebe (Knochen, Sehnen, Haut), Keratinstrukturen (Haare, Wolle, Federn) sowie Chitinpanzer von Arthropoden und Schalen von Weichtieren (Nacre/Perlmutt). Diese Materialien kombinieren organische Polymerphasen (z. B. Kollagen, Chitin, Proteine) mit anorganischen Phasen (z. B. Hydroxylapatit, Calciumcarbonat) zu hochgradig optimierten Verbundwerkstoffen.
Aus werkstoffwissenschaftlicher Sicht sind insbesondere mechanische Eigenschaften (Festigkeit, Zähigkeit, Ermüdungsverhalten), Funktionalitäten (optische, adhäsive, tribologische Eigenschaften) sowie Abbau- und Umbauprozesse (Biodegradation, Remodelling) relevant. Tierische Materialien dienen als Referenz für strukturierte Verbundwerkstoffe, Gradientenwerkstoffe und selbstheilende Systeme.
Technologisch werden tierische Ressourcen sowohl direkt genutzt (Leder, Wolle, Seide, Knochenersatzmaterialien) als auch chemisch oder strukturell imitiert, etwa in der Entwicklung von biomimetischen Kompositen, Biokeramiken oder Faserverbundwerkstoffen. Im Kontext der Nachhaltigkeit gewinnen tierbasierte und tierinspirierte Werkstoffe an Bedeutung, erfordern aber eine kritische Betrachtung hinsichtlich Verfügbarkeit, ethischer Aspekte, Standardisierung und Reproduzierbarkeit.
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