Gleiten bezeichnet in der Kristallplastizität die gerichtete Bewegung von Versetzungen in bestimmten Gleitebenen und Gleitrichtungen eines Kristallgitters. Es ist der dominierende Mechanismus der plastischen Verformung in Metallen und vielen kristallinen Werkstoffen bei moderaten Temperaturen.
Versetzungen bewegen sich beim Gleiten unter Schubspannungen entlang kristallographisch bevorzugter Gleitsysteme, die Paare aus Gleitebene und Gleitrichtung umfassen (z. B. {111}<110> in fcc-Gittern). Die kritische Schubspannung für den Beginn des Gleitens wird als kritische Schubspannung für Gleiten bzw. kritische Schubspannung eines Gleitsystems beschrieben und bestimmt maßgeblich die Fließgrenze.
Der Gleitvorgang ist atomar durch sukzessives Überspringen von Atomen über Peierls-Potentialbarrieren charakterisiert. Hindernisse wie Ausscheidungen, Lösungsatome, Korngrenzen oder andere Versetzungen behindern das Gleiten und führen zu Phänomenen wie Verfestigung und Kriechverhalten. Die Interaktion unterschiedlicher Gleitvorgänge kann zur Bildung von Versetzungsstrukturen, Zellwänden und Subkornbildung führen.
Neben dem konservativen Gleiten, bei dem die Burgersvektor-Richtung in der Gleitebene verbleibt, existiert Klettern als nichtkonservativer Mechanismus senkrecht zur Gleitebene. Das Zusammenwirken von Gleiten und Klettern steuert das makroskopische Verformungsverhalten, insbesondere bei erhöhten Temperaturen und langen Belastungszeiten.
© 2026