Unter Handling versteht man im technischen Kontext alle Vorgänge des Greifens, Positionierens, Transportierens, Ausrichtens und Lagerns von Werkstoffen, Halbzeugen und Bauteilen entlang der Prozesskette. Das Handling beeinflusst direkt die Bauteilqualität, Prozessstabilität sowie Arbeitssicherheit und ist insbesondere bei empfindlichen oder hochpräzisen Werkstoffen ein kritischer Parameter.
Werkstoffspezifisches Handling berücksichtigt mechanische Empfindlichkeit (z. B. Sprödbruchgefahr bei Keramiken, Verformungsneigung bei weichen Metallen), Oberflächenanforderungen (Vermeidung von Kratzern, Partikeln, Kontaminationen) und chemische Stabilität (Korrosion, Oxidation, Feuchteempfindlichkeit). Für viele Hochleistungswerkstoffe, etwa Halbleiterwafer, Faserverbundstrukturen oder superreine Metalloberflächen, sind definierte Handlingspezifikationen in Normen und Werksstandards festgelegt.
Ein zentrales Thema ist das automatisierte Handling durch Roboter, Greifsysteme und Fördertechnik. Hier müssen Greifergeometrie, Kontaktkräfte, Reibungsbedingungen und mögliche Schwingungsanregungen auf das Bauteil abgestimmt werden, um Mikroschädigungen, Eigenspannungsänderungen oder Delaminationen zu vermeiden. Auch thermische Einflüsse beim Handling, etwa bei heißen Umformteilen oder glasviskosen Werkstoffen, sind zu berücksichtigen.
Qualitätsorientiertes Handling umfasst darüber hinaus Rückverfolgbarkeit, sensorische Überwachung (Kraft, Weg, Beschleunigung) und oft eine Reinraum- oder Sauberkeitsklassifizierung. In F&E wie Produktion ist ein präzise spezifiziertes Handling daher integraler Bestandteil der Prozessauslegung und ein wesentlicher Faktor für die Reproduzierbarkeit werkstofftechnischer Eigenschaften.
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