High-Entropy-Legierungen (HEAs) sind metallische Legierungen, die typischerweise aus fünf oder mehr Hauptelementen in annähernd äquiatomaren Konzentrationen bestehen (jeweils ca. 5–35 at.%). Im Gegensatz zu klassischen Legierungen mit einem dominanten Basiselement beruht das HEA-Konzept auf der Erhöhung der Mischungsentropie, um einfache, meist einphasige Kristallstrukturen (z.B. fcc, bcc) zu stabilisieren.
Zentral ist der Beitrag der konfigurationsabhängigen Entropie ΔSmix, die bei hoher Temperatur die freie Enthalpie G = H − TΔS signifikant beeinflusst. Dadurch wird die Bildung von intermetallischen Verbindungen und Phasenseparation thermodynamisch unterdrückt und es entstehen sogenannte „single-phase solid solutions“. Dennoch spielen auch Enthalpieeffekte (Mischungsenthalpie, Gitterverzerrungsenergie) und kinetische Faktoren (Diffusionshemmung, langsame Diffusion) eine entscheidende Rolle, sodass das Entropie-Argument allein nicht hinreichend ist.
HEAs zeichnen sich durch eine Kombination außergewöhnlicher Eigenschaften aus, etwa hohe Festigkeit bei Raum- und erhöhten Temperaturen, teils hervorragende Duktilität, erhöhte Bruchzähigkeit bei tiefen Temperaturen, verbesserte Oxidations- und Korrosionsbeständigkeit sowie gute Strahlungsresistenz. Diese Eigenschaften resultieren u.a. aus ausgeprägter Gitterverzerrung, massiver Mischkristallverfestigung und komplexen Diffusionspfaden.
Aktuelle Forschungsschwerpunkte umfassen die systematische Legierungsentwicklung (z.B. VEC-Design, CALPHAD), die Aufklärung von Verformungs- und Phasenumwandlungsmechanismen (TRIP/TWIP in metastabilen HEAs), sowie Anwendungen in Struktur- und Hochtemperaturwerkstoffen, Beschichtungen und energiebezogenen Systemen.
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