Unter Infusion versteht man im Kontext faserverstärkter Kunststoffe das eindringende Einsaugen eines niedrigviskosen Harzsystems in eine trockene Faserpreform, typischerweise unterstützt durch einen Druckgradienten, meist Vakuum. Die Infusion ist Kernschritt vakuumassistierter Harzinfusionsprozesse (z. B. Vakuuminfusionsprozess, Vakuum Assisted Resin Infusion, VARI) zur Herstellung großflächiger, hochbelastbarer Verbundbauteile.
Wesentliche treibende Größe ist der Druckunterschied zwischen Harzquelle und Vakuumanschluss, während der Fluss durch die Permeabilität der Preform, die Viskosität des Harzes sowie die Prozess- und Werkzeugtemperatur bestimmt wird. Das Infusionsverhalten beschreibt die zeit- und richtungsabhängige Harzausbreitung, Benetzung der Fasern, Füllgrad der Porenräume und die Ausbildung von Poren oder Trockenzonen.
Aus werkstofftechnischer Sicht beeinflusst der Infusionsprozess direkt die Mikrostruktur: Faserwelligkeit, lokale Faservolumengehalte, Porosität und Grenzflächenqualität zwischen Faser und Matrix. Eine kontrollierte Harzinfusion erfordert daher präzise Kenntnis der Preform-Permeabilität (in-plane und through-thickness), des Reaktiv- und Fließverhaltens des Harzes (Gelzeit, Viskositätsverlauf) sowie der Entlüftungs- und Entgasungsbedingungen.
Numerische Simulationen des Harzinfusionsprozesses (z. B. auf Basis der Darcy-Gleichung) werden eingesetzt, um Fließfronten, Füllzeiten und potenzielle Lufteinschlüsse vorherzusagen und das Layout von Zuführ- und Entlüftungsleitungen zu optimieren. Fortschrittliche Infusionsprozesse integrieren in-situ-Messtechnik (Druck-, Temperatur-, Dielektrik- oder Fasersensoren), um den Prozess zu überwachen und reproduzierbare Bauteilqualität zu gewährleisten.
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