Der Begriff Apparatur bezeichnet im Kontext der Werkstofftechnik eine technisch-funktionale Einheit aus Bauteilen, Sensorik, Aktorik und Steuerung, die zur definierten Beanspruchung, Charakterisierung, Verarbeitung oder Synthese von Werkstoffen eingesetzt wird. Im Unterschied zu einzelnen Geräten umfasst eine Apparatur häufig ein integriertes System, das Probenhandhabung, Prozessführung und Datenerfassung kombiniert.
Zentrale Anforderungen an werkstofftechnische Apparaturen sind Reproduzierbarkeit der Randbedingungen (z. B. Temperatur, Druck, Atmosphäre, mechanische Last), die metrologische Rückführbarkeit der Messgrößen sowie chemische und mechanische Stabilität der verwendeten konstruktiven Werkstoffe unter Betriebsbedingungen. Beispiele sind Hochtemperaturöfen mit kontrollierter Gasatmosphäre, mechanische Prüfstände (Zug-, Druck-, Ermüdungs- und Kriechversuch), Korrosionszellen, Dünnschichtabscheideanlagen (PVD, CVD, ALD) und thermoanalytische Systeme (DSC, TGA).
Aus konstruktiver Sicht erfordern Apparaturen häufig den Einsatz spezialisierter Werkstoffe, etwa hochtemperaturbeständiger Nickelbasislegierungen, korrosionsbeständiger Stähle, Keramiken oder Quarzglas. Deren Auswahl beeinflusst maßgeblich Messgenauigkeit, Kontaminationsfreiheit und Langzeitstabilität. Strenge Kalibrier- und Validierungsprotokolle sind notwendig, um systematische Fehler der Apparatur zu quantifizieren und Messdaten vergleichbar zu machen.
Im modernen Forschungslabor sind Apparaturen zunehmend automatisiert, digital vernetzt und erlauben in-situ- und operando-Analysen, z. B. gekoppelte mechanische Prüfung mit Röntgendiffraktometrie oder elektrischer Charakterisierung. Damit wird die Apparatur selbst zu einem zentralen Teil der experimentellen Methodik und bestimmt wesentlich die Aussagekraft werkstoffwissenschaftlicher Ergebnisse.
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