Jetting bezeichnet in der Werkstofftechnik eine Klasse von Verfahren, bei denen Flüssigmaterialien in Form einzelner Tröpfchen oder feiner Strahlen (jets) kontrolliert aus Düsen ausgebracht werden. Typische Anwendungen liegen in der additiven Fertigung (Material-Jetting, Binder-Jetting), im funktionalen Drucken (z.B. Leiterbahnen, Sensoren) sowie in der Beschichtung und Mikrostrukturierung von Oberflächen.
Im Gegensatz zu kontinuierlichen Beschichtungsverfahren beruht Jetting auf der präzisen Erzeugung diskreter Tropfen mit definierter Größe, Geschwindigkeit und Flugbahn. Dies erlaubt eine ortsaufgelöste, mehrlagige Materialdeposition und damit die Herstellung komplexer 3D-Geometrien und Funktionsgradienten. Wichtige Prozessvarianten sind piezo- oder thermisch angeregtes Inkjet-Jetting sowie elektrohydrodynamisches Strahlen, bei dem elektrische Felder zur Tropfen- bzw. Fadenbildung genutzt werden.
Werkstoffseitig erfordert Jetting eine sorgfältige Einstellung von Viskosität, Oberflächenspannung, Leitfähigkeit und Partikelgehalt, um Satellitentropfen, Düsenverstopfung oder unzureichende Benetzung zu vermeiden. Beim Mehrmaterial-Jetting werden mehrere Düsenfelder mit unterschiedlichen Tinten oder Schmelzen kombiniert, um z.B. harte und weiche Polymere, leitfähige und isolierende Tinten oder Keramik/Polymer-Systeme innerhalb eines Bauteils lokal zu variieren.
Für die resultierenden Bauteile sind Tropfenkoaleszenz, Aushärtung (UV, thermisch, reaktiv) und Schrumpfverhalten entscheidend für Dichte, Porosität, Oberflächengüte und anisotrope Eigenschaften. Jetting-Verfahren gewinnen insbesondere dort an Bedeutung, wo hohe geometrische Auflösung, Materialvielfalt und digitale Prozessierbarkeit kombiniert werden müssen.
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